Kurortentwicklung

Staatliche Anerkennung der Stadt Bad Freienwalde als Moorheilbad

1994 wurde Herr Lehmann Bürgermeister der Stadt Bad Freienwalde. Seit nunmehr 25 Jahren wurde von allen politischen Akteuren der Gemeinde bekundet, dass die Kurortentwicklung das überragende Marketingziel unserer Stadt ist. Zeit für eine Überprüfung des Standes.

1995 erhielt die Stadt nach dem Brandenburgischen Kurortegesetz die vorläufige (!) Anerkennung als Moorheilbad. Diese Anerkennung war bis 2003 befristet. 2003 überreichte der damalige Gesundheitsminister Günter Baaske der Stadt die Urkunde zur unbefristeten staatlichen Anerkennung – allerdings mit Auflagen.

Seit 2001 wurde eine Marketingstudie nach der anderen für viel Geld in Auftrag gegeben. Aber nichts passierte. Am 30.04.2015 beschloss der Landesfachbeirat die Aberkennung der staatlichen Anerkennung, weil entscheidende Auflagen für die Prädikatisierung nicht erfüllt wurden. Obwohl es immer noch keine Moorangebote für privatzahlende Kurtouristen und auch keine angemessene Unterkünfte (Hotel) gab, gewährte das MASGF (Gesundheitsministerium) der Stadt– eher aus politischen Gründen - Aufschub. Danach folgten aber wiederum keine Investitionen für Gesundheitstouristen. Dafür wurde dem Ministerium am 29.05.2017 eine „verbindliche“ Absichtserklärung auf Papier, die Kurortentwicklungskonzeption übergeben, die bis zum 30.06.2020 umgesetzt sein muss.

Am 13.11.2018 kam es zu einer Visitation des Kurorts durch den Fachbeirat und das Ministerium. Professor Dr. Karl-Ludwig Resch hörte sich an, was Herr Lehmann und Frau Kristin Schröder-Kolew (GF des Kurmittelhauses) vortrugen und sprach dann von einem „Maßnahmesammelsurium“, allerdings nicht von erfolgten Maßnahmen, sondern von angedachten.

Was ist nach 25 Jahren also umgesetzt worden? So gut wie nichts. Im Gegenteil: Widerwillig musste die Stadt anerkennen, dass es sich bei den Kunden der Fachklinik nicht um Kurgäste handelt, sondern um Patienten und nicht um 80.000, wie es oft heißt, sondern um 80.000 Übernachtungen. Etwa 4.000 Patienten besuchen nach einem Krankenhausaufenthalt zur Nachbehandlung die Kurklinik. Ende 2018 musste er zugeben, dass jährlich nur 184 (!) privatzahlende Kurtouristen Bad Freienwalde besuchen. Aber es kam noch schlimmer: Bei der Investitionsplanung der Stadt für die Jahre 2018 und 2019 wurden jegliche Investitionen in attraktive touristische Gesundheitsangebote „schlichtweg“ vergessen. Man beschränkt sich auf zwei kleine Maßnahmen.

Man möchte im Keller der Kurklinik eine 18 qm große Sauna unterbringen, in der in irgendeiner Form auch Moor gereicht werden soll. Ferner denkt man über „Moorstempel“ nach. In der MOZ vom 29./30.12.2018 heißt es deshalb: „Moorsauna stützt Heilbad-Status“. Wegen der Kellersauna wird sich natürlich kein einziger Gesundheitstourist von Berlin nach Bad Freienwalde aufmachen. Nun könne man sagen: Wenigstens investiert die Stadt in ein Hotel. Leider ist auch das nicht der Fall. Die Stadt investiert in ein privates Gästehaus, nicht in ein Hotel. Dort gibt es Appartements und vielleicht auch ein Frühstück, aber kein Restaurant. Für Touristen also nicht attraktiv. Sollten sich aber doch einige Touristen für das Gästehaus entscheiden, so würden sie es bereuen. Frau Angela Krug, die GF der Fachklinik, hat eindeutig mitgeteilt, dass das Gästehaus im Wesentlichen nur den Patienten und Gästen der Fachklinik offensteht. Pech für alle Gesundheitstouristen! Wer kann da noch an den Erhalt des Prädikats glauben? Der Fachbeirat wird in der Strategie der Stadt, mit Hilfe einer Kellersauna den Heilbad-Status zu stützen, lediglich eine groteske Entgleisung sehen. Die Aberkennung rückt näher!

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